header image
Aktuell arrow Aktuelle Meldungen arrow Die Vertreibung der Albaner damals und heute
Die Vertreibung der Albaner damals und heute PDF Drucken Email
06. Jänner 2010 um 19:36

(Quelle: Ora Online)

Dies ist der zweite Teil der Dokumentation, die sich mit der Frage beschäftigt, ob und in welcher Form die heutige serbische Führung die Pläne ihrer Vorgänger zur Vertreibung der Albaner fortführt. (Geschrieben von Besart Podrimaj)

Der chauvinistisch-rassistische Geist gegen alles Albanische herrscht auch heute, neun Jahre nach der Entmachtung von Milošević, in weiten Teilen

der aktuellen serbischen Regierungsführung an. Auch wenn er sich nun unter den gegebenen Umständen flexibler und wandlungsfähiger zeigen muss und sich in Verbalattacken, diplomatischen Auseinandersetzungen, Provokationen oder Boykotte gegen den Kosovo und alles Albanische manifestiert.

Der chauvinistisch-rassistische Geist gegen alles Albanische herrscht auch heute, neun Jahre nach der Entmachtung von Milošević, in weiten Teilen der aktuellen serbischen Regierungsführung an. Auch wenn er sich nun unter den gegebenen Umständen flexibler und wandlungsfähiger zeigen muss und sich in Verbalattacken, diplomatischen Auseinandersetzungen, Provokationen oder Boykotte gegen den Kosovo und alles Albanische manifestiert. So war die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos am 17. Februar 2008 für Belgrad keine große Überraschung, man hatte sich Monate vorher schon darauf eingestellt. Doch konnte die Antwort darauf nicht mit der althergebrachten und gewohnten serbischen Härte und Brutalität geschehen, wie etwa 1991, als die Albaner den Kosovo nach einer breit angelegten Volksabstimmung mit über 80% der Stimmen für unabhängig erklärten.  

Nordkosovo und die Herausforderung der Rückkehr von Nicht-Serben  


Nach Beendigung des Kosovo-Krieges und dem Einmarsch der befreienden Nato-Truppen im Jahre 1999, flüchteten aus dem südlichen Kosovo mehrere zehntausend Serben, gemeinsam mit den serbischen Sicherheitskräften. Sie flüchteten in den nördlichen Teil der Stadt Mitrovica und des Kosovos, sich davor fürchtend, dass sich die zuvor vertriebenen Kosovo-Albaner an ihnen rächen könnte.

Jene Serben, die mit ihrer Armee Tage und Monate zuvor aufs schlimmste im Kosovo gewütet hatten, verschanzten sich im nördlichen Teil der Stadt und des Landes und waren dank der Hilfe aus Belgrad im Stande, die Rückkehr der dort ansässigen Kosovo-Albaner und anderen Nicht-Serben, wie Bosniaken oder Sinti und Roma, zu verhindern.  

Ein Mob aus Bewaffneten serbischen Männern, die sich die "Brückenwächter" nannten und die unter der Leitung des aktuellen Staatssekretärs Oliver Ivanović standen, griffen die Nicht-Serben tätlich an, welche die Brücke über den Fluss Ibër in Richtung ihrer angestammten Wohnorte überqueren wollten.

Die damalige verantwortliche Verwaltungsmacht der Vereinten Nationen (UNMIK) war nicht gewillt, diesen Entwicklungen und Umständen Einhalt zu gebieten. Jene internationale Verwaltung entschied sich für eine Beschwichtigungspolitik, die die Belgrader Regierung dahingehend bestärkte, über das gesamte Gebiet des Kosovo eine Parallelverwaltung zu errichten und aufrechtzuerhalten. Diese hat sich als einziges Ziel gesetzt, die Sicherheitslage im Lande unter starker Spannung zu halten, die dann je nach Interessenlage der Machthaber in Belgrad, zur Explosion gebracht werden könnte.

Erst nach zehn Jahren konnte ein sehr kleiner Teil der Kosovo-Albaner und anderen nichtserbischen Minderheiten wieder zurück in ihre angestammten Wohnorte zurückkehren, um ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Dies ging nur unter starkem Polizeischutz der europäischen Kosovo-Mission, EULEX, und der örtlichen Polizeikräfte. Sie mussten den serbischen Mob unter Tränengas und Körpereinsatz zurückhalten, der sich tagtäglich vor den Albanern, Bosniaken, Sinti und Roma bewohnten Orte und Viertel versammelte, um die Rückkehr zu verhindern. Nur eine starke Polizeipräsenz vor diesen Ortschaften ermöglicht heute eine relative Sicherheit für diese nichtserbischen Rückkehrer.   

 
Bis heute bleibt eine nachhaltige Rückkehr der albanischen und nichtserbischen Bevölkerung des Kosovo in dem nördlichen Teil des Landes aus. Eine Rückkehr scheitert letzlich nicht nur an der Bereitschaft, der von Belgrad unterstützten Parallelstrukturen und deren "Sicherheitskräften", sondern auch an der Bereitschaft des kosovarischen Staates, gleich wie jene Rückkehr der Serben im Südkosovo, die Rückkehr in den Norden langfristig zu organisieren und finanziell zu unterstützen. Ferner bleibt zu erwähnen, dass Prishtina seine Autorität nicht vollständig über den nördlichen Teil seines Staatsgebietes ausüben kann, weil jene Parallelstrukturen dieses vehement zu verhindern wissen, was eine breite und nachhaltige Rückkehrpolitik stark erschwert.  

Die stille Vertreibung aus dem Presheva-Tal 


In den drei zu Serbien gehörenden Großgemeinden Bujanovce, Medvegje und Presheva, die regional als Prescheva-Tal bezeichnet werden und am Westen des Kosovos angrenzen, leben schätzungsweise zwischen achtzig bis einhundert tausend Albaner.       

Nach der Beendigung des bewaffneten Konfliktes 2001, gestand Belgrad, unter großem Druck der internationalen Staatengemeinschaft, den Albanern eine Reihe von Minderheitenrechte zu. Doch die wirkliche Umsetzung jener Minderheitenrechte für die Albaner in Prescheva-Tal bleibt ein Anspruch, der zu verwirklichen gilt. Belgrad setzt alles daran, den Albanern aus dieser Region das Leben so unerträglich und schwer wie möglich zu machen.  

Durch angebliche Terrorakte, denen willkürliche Durchsuchungen und Verhaftungen durch die serbische Polizeikräfte folgen und durch massive verwaltungsbehördliche Diskriminierung, versucht der serbische Staat den Albanern das Leben in diesen Gemeinden zu erschweren.

Wie auch das von Belgrad errichtete Apartheid-Regime im Kosovo in den neunziger Jahren, versucht Belgrad heute das albanische Schulsystem im Presheva-Tal zu zerstören. Abschlusszeugnisse von Universitätsabsolventen und angehenden Lehrern, die an der Universität Prishtina oder an anderen Universitäten ihren Abschluss gemacht haben, werden von den serbischen Behörden nicht anerkannt.

So bleibt die Versorgung mit neuen Lehrkräften für die albanischen Schulen in dieser Region aus. Den Albanern werden systematisch fundamentale Bürger- wie auch Menschenrechte verweigert. Als einzigen Ausweg aus dieser Misere, sehen viele albanische Familien die Flucht ins wirtschaftlich sehr arme Kosovo.

Entgegen allen Äußerungen und Beteuerungen der sogenannten pro-europäischen Regierung in Belgrad, dass sich Serbien nicht militärisch gegen die Unabhängigkeit des Kosovo wehren wird, ließ der serbische Staat auf dem Territorium der Gemeinde Bujanovce und nur wenige Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt, die größte Militärbasis Serbiens erbauen. Sie wurde am 23. November vom serbischen Präsidenten feierlich eröffnet. Bei der Eröffnung beteuerte der serbische Präsident Tadic, dass Serbien zwei Ziele hätte: Die Integration in die Europäische Union und die Wahrung der Souveränität über "ihre serbische Provinz" Kosovo.  

Sowohl Prishtina, als auch die politischen Vertreter der Albaner im Prescheva-Tal, sehen die Errichtung dieser Militärbasis als direkte Provokation gegen die im Prescheva-Tal lebenden Albaner und der Republik Kosovo und somit einen weiteren Beitrag Serbiens zur Destabilisierung der gesamten Region. Ferner betrachten die Albaner die Errichtung der Militärbasis als eine Okkupation des Prescheva-Tals und Gefährdung der weiter schwindenden Sicherheit in dieser Region.


User Comments
Your Name / Email Address

<Vorhergehend   Weiter>

Nachrichten und Informationen aus Kosova (Kosovo). Aktualisiert bietet InfoKosova.de die wichtigsten News des Tages und zusätzliche Infos aus Prishtina (Pristina) in Text, Bild, Audio und Video, sowie umfassende Interviews, Berichte und Hintergründe zu aktuellen Themen aus dem Inland, Ausland, der Wirtschaft, Sport.

Anzeigen

Who's Online
Es sind 7 Gäste online
Umfragen
Visumsfreiheit für den Kosovo und den gesamten Balkan ?